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Vanlife // Respekt vor der eigenen Entscheidung

lomonautin · Februar 02, 2018 · Blog, Vanlife · 1 comments

Oder auch : „The girl got balls!““

 

Wenn der Traum vom eigenen Campervan wahr wird.

Kenn ihr diesen Moment, an dem ihr Respekt vor eurem eigenen Mut habt? Den Mut eine Entscheidung zu treffen, etwas anzugehen, worauf ihr lange gewartet habt? Ein Traum der plötzlich zum Greifen nah ist? So ging es mir im Mai 2017.

Ich habe mir einen Ford Transit gekauft. Einen ehemaligen Krankenwagen, den ich seither mal mehr, mal weniger fleißig zum Campervan umbaue. Ja, ich. Die Frau, die keine Ahnung von Autos, Holzarbeiten, Elektrik und Co hat. Aber genau diese Frau hat diesen Traum vom eigenen Campervan. Eigentlich schon seit ihrer Kindheit. Lange vor dem ganzen Instagram-Vanlife-Hype.

Das gute Gefühl, einfach unterwegs zu sein.

Schon in meiner Studentenzeit waren für mich Road- und Campingtrips das Größte. Ich mag das Gefühl vom „unterwegs sein“. Eine unruhige Seele braucht Bewegung um Ruhe zu erfahren. Für mich war die Reise zum Ziel immer das Highlight eines jeden Trips. Ich mag es, frei und ungebunden umherreisen zu können. Ob nun mit Zelt durch Europa oder mit dem Rucksack bepackt durch Asien. Ich mag die Spontanität und möchte nicht an einem Ort festhängen, an dem es mir vielleicht gar nicht gefällt.

Der Traum vom eigenen Camper war damals schon immer vorhanden. Und es war klar, dass wird kein Ding „von der Stange“, dass muss schon was selbst gebautes sein. Den Gedanken an ein derartiges „Großprojekt“ habe ich immer sehr weit in die ferne Zukunft verschoben, schließlich wollte ich jetzt die Welt entdecken und nicht erst lange rumschrauben. Und ein wichtiger Punkt war natürlich auch das nicht vorhandene Kleingeld, um solch ein Projekt zu starten.

Ich habe eigentlich immer nur für die nächste Reise gearbeitet. Aber so richtig glücklich hat mich das nicht gemacht. Die Reisen waren kurzweilig und die Arbeit saugt eigentlich alles meiner vorhandenen Energie auf. Dabei ist das Leben doch jetzt und hier und nicht auf der nächsten Reise. Auf der Suche nach Reiseinspiration stolperte ich auf einmal über die ganzen Vanlife-Stories auf Instagram. Ich war direkt angefixt. Das will ich auch! Nicht direkt dauerhaft drin leben – aber unabhängig von den regulären Urlauben, spontan die Möglichkeit haben, einfach loszufahren. Am Wochenende oder einfach so, nach Feierabend. Ich will halt unterwegs sein und zwar nur im Urlaub, sondern wann immer es geht. Und dann holt mich der Gedanke zurück: „Willst du das wirklich? Du alleine? Du hast keine Ahnung und wie willst du das verwirklichen?“

Das Vorhaben ist der erste Schritt zur Umsetzung.

Meine kritischen Gedanken waren aber schnell beiseite geschoben und ich fing an mir Gedanken über die Umsetzung zu machen. Ich aktivierte diverse Menschen, die ich kannte, die irgendwie Ahnung von Autos haben. Ich bat sie, ein Auge für mich offen zu halten. Denn, mir war schon klar, dass ICH garantiert übers Ohr gehauen werde, wenn ich alleine auf die Suche gehe.

Schlussendlich erzählte ich auch meinen Eltern von meinen Plänen. Und setzte auf die zahlreichen Kontakte von meinem Vater. Ich dachte, wenn ich einen guten Kastenwagen bekomme, dann über ihn. Meine Mutter dachte erstmal, es sei mal wieder eine meiner fixen Ideen. Je öfter ich davon sprach, je nervöser wurde sie und meinte irgendwann ganz verunsichert: „Aber du willst dann doch nicht darin wohnen, oder? Zutrauen würde ich es dir… Überleg dir das doch nochmal, kauf dir lieber ein kleines „normales“ Auto.“

Nein. Normal ist halt nicht meins.

Im Gegensatz dazu, war mein Vater direkt begeistert. Er erkundigte sich, welcher Wagen am besten für sowas geeignet ist, was man alles machen kann etc. Am Anfang dachte ich, er hilft mir nur bei der Autosuche. Dann erzählte er mir, dass es immer sein Jugendtraum war, so einen Wagen auszubauen. Es ist ein verdammt tolles Gefühl, auf einmal diese große Gemeinsamkeit zu haben. Wer hätte das alles gedacht? Auf einmal stehe ich gar nicht mehr alleine da mit meinem – für eine Frau – etwas ungewöhnlichen Plan.

Wer einen Kastenwagen zum Ausbau sucht, benötigt erst einmal ganz viel Ausdauer und eine hohe Frustrationstoleranz.

Die suche nach einem Kastenwagen zehrt ganz schön an den Nerven. Mein Budget war halt nicht sonderlich üppig und ich wollte natürlich einen Wagen, der nicht gleich bei der ersten Tour schlapp macht. Zwischenzeitlich hatte ich noch erhebliche Zweifel, ob das ganze mit meinen Vorstellungen vereinbar ist. Der KFZ-Meister von Mercedes (ein Bekannter meines Vaters…) meinte, mit 10 000 € müsste ich für einen vernünftigen, gebrauchten Sprinter schon rechnen – rein für den Wagen ohne Ausbau. Und überhaupt, er würde mir zu einem bereits fertig ausgebauten Wagen raten. Zwei Dinge, die ich nicht hören wollte. Meine Reaktion? Ich sagte ihm: „Sie deprimieren mich…“ Und schon verschwand der Mensch schneller als er gekommen war. Ja, zwischenmenschliche Kommunikation ist nicht immer meine Stärke. Aber mal im Ernst, woher soll ich als Sozialpädagogin 10 000 € nehmen? Meine Vorstellung lag bei maximal 4000 bis 5000 für den Wagen, was für mich viel Geld ist und ein fertig ausgebauter kam von vornherein nicht in die Tüte. Meine anfängliche Euphorie wurde ausgebremst und ich fühlte mich leicht resigniert. Mehr Geld investieren? Nope.

Ein paar Wochen später schickte mir mein Vater dann Fotos von einem Ford Transit der Diakonie. Die tauschen alle paar Jahre ihr Krankentransporter aus. Meine Chance. Als ich im April 2017 in der Heimat zu Besuch war, konnte ich eine Probefahrt machen. 258 000 km hat das gute Stück schon runter. Das Ding fährt sich gut und den Gedanken, wie ich damit einparken soll, den verschiebe ich mal auf einen anderen Zeitpunkt…

Und ich bin ehrlich. Der Transit und ich, das war nicht direkt Liebe auf den ersten Blick. Vielleicht liegt es daran, dass der Transit als Krankenwagen gedient hat und die ganzen Rampen, Tragevorrichtungen und Schränke aus Kunststoff noch eingebaut waren. Vielleicht war es der Desinfektionsspender, der mich einfach zu sehr an meine Arbeit erinnert hat. Aber irgendwie mangelte es mir an der Vorstellungskraft, wie dieser Plastik-Bomber meinen Traum von Hippie-Mobil erfüllen soll. Soweit jedenfalls der erste Eindruck. Je länger ich in dem Wagen stand und mir Gedanken machte, umso klarer wurde aber das Bild wie es werden könnte. Und ich begann mich doch ein wenig in mein fahrbares Zuhause zu verlieben.

Auch wenn mein Herz ganz wild schlug, musste ich meine Euphorie erstmal bremsen. Erstmal sollte der Wagen vom KFZ-Meister beäugt werden und noch wurde das Auto offiziell gar nicht von der Diakonie abgegeben.

Und ein paar Wochen später hieß es plötzlich: „Claudia, du musst dich jetzt entscheiden. Willst du den Transit, ja oder nein?“ Auf einmal war dieses Gefühl da, das unwirkliche Gefühl von „ich erfülle mir jetzt meinen Traum“. Natürlich habe ich ja gesagt. Sonst würde ich diesen halben Roman gar nicht schreiben.

Ab dem Zeitpunkt fing das Gedankenchaos an. Wie soll der Camper aussehen? Wie kann man die Ideen umsetzen? Woher bekomme ich möglichst günstige Material? Was brauche ich? Und zwischenzeitlich ertappe ich mich bei dem Gedanken: „Scheisse, dass ist mal ein Großprojekt, seit wann bist du so mutig?“

Warum das ganze hier?

Ich dachte mir, ich lasse euch teilhaben an dem ganzen Prozess des Umbaus. Viele Menschen, mit denen ich über meine Pläne gesprochen habe, waren total begeistert und sprachen davon, sich gern selbst diesen Wunsch zu erfüllen. Ich möchte diese Menschen gerne ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen und zu zeigen, dass es machbar ist. Das Leben ist kurz und ich für meinen Teil, möchte nicht irgendwann bereuen etwas nicht gemacht oder erlebt zu haben.

Mittlerweile haben wir schon Februar 2018. Unglaublich, wie lange mich dieses Projekt schon beschäftigt. Im April 2016 hatte ich den Entschluss gefasst, dass Projekt „Vanlife“ anzugehen. Ich glaube es war Juli 2016, bis die Suche nach einem Wagen begann und dann im Juni 2017 konnte ich meinen Transit endlich mein Eigen nenne. Der Ausbau ist noch immer nicht fertig. Dennoch hat der Camper auch schon ohne mich eine Tour gemacht und mir schlaflose Nächte bereitet. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

1 Comments:
  1. Oh wow! Das klingt ja richtig super! Freu mich auf deine Erzählungen zum Ausbau 🙂
    Wir haben vor wenigen Wochen einen Sprinter gekauft und starten nun auch das Projekt des Ausbaus!

    Tanja und Benny · Februar 06, 2018

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